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Eigenbewegungswahrnehmung und Orientierung

Die Wahrnehmung von Eigenbewegung wird am MPI für biologische Kybernetik in verschiedenen Forschungsprojekten untersucht. Das erste Projekt beschäftigt sich mit Eigenbewegungswahrnehmung im Kontext von multisensorischer Integration, wobei der Einfluss von visueller, vestibulärer und propriozeptiver Information untersucht wird. Ein zweiter Fokus liegt auf der Untersuchung der Illusion von Eigenbewegung - wie können wir Anwender in den Glauben versetzen, dass sie sich bewegen, ohne dass wir das mit Hilfe teurer Bewegungssimulatoren wirklich tun müssen? Ein drittes Projekt untersucht Eigenbewegungswahrnehmung beim Gehen - dabei verfolgen wir unter anderem das Ziel, ein omni-direktionales Laufband zu entwickeln und zu testen, mit dem Anwender beliebig grosse Räume explorieren können.

Menschliche Fortbewegung und Gangeigenschaften
Wahrnehmung der Eigenbewegung in Virtueller Realität
"Spatial Updating" während der Bewegung in zwei und drei Dimensionen


 

 

   

Wahrnehmung von Eigenbewegung in Virtueller Realität

Die Wahrnehmung von Eigenbewegung ist normalerweise eine multimodale Erfahrung.  Sowohl visuelle wie auch nicht-visuelle Informationen liefern reichhaltige - und zum Teil redundante - Information über Eigenbewegung.  Dieses Forschungsprojekt untersucht, wie sensorische Information verschiedener Sinne bei der sogenannten Vektionsillusion kombiniert werden.  Vektion ist die Illusion von Eigenbewegung eines sich in Ruhe befindenden Beobachters. Sie kann durch visuelle oder andere sensorische Stimulation ausgelöst werden.  In diesem Projekt wird zudem untersucht, wie perzeptuelle und kognitive Faktoren die Vektionsillusion beeinflussen.

In einer Reihe von Experimenten mussten Testpersonen den Beginn und die Stärke der Vektion einschätzen. Dies geschah entweder unter rein visuellen, oder kombinierten visuell-auditorischen, visuell-vestibulären sowie visuell-somatosensorischen Bedingungen. Die multisensorischen Bedingungen lieferten konsistente multisensorische Stimulation, wie z. B. eine sich bewegende Geräuschquelle, die sich kohärent mit dem passenden visuellen Ziel bewegte.

Die Ergebnisse zeigten, dass Vektion bei konsistenter multisensorischer Stimulation anstieg, wobei sowohl der Beginn früher geschah als auch die wahrgenommene Stärke der Illusion anstieg. Der stärkste Effekt wurde für die Kombination aus visueller und vestibulärer Stimulation gefunden, wobei dabei nur minimale physikalische Bewegungsinformationen präsentiert wurde. Wir fanden zudem, dass kognitive Faktoren, wie z. B. Aufmerksamkeit und das Gefühl von Präsenz in der virtuellen Umgebung einen Einfluss auf die wahrgenommene Vektion hatten. Diese Ergebnisse haben Konsequenzen sowohl für unser theoretisches Verständnis von Eigenbewegungswahrnehmung wie auch für Anwendungen im Bereich von Bewegungssimulatoren.

REFERENZEN
Jörg Schulte-Pelkum (2007) : Perception of self-motion: Vection experiments in multi-sensory Virtual Environments. PhD thesis.

 

 

 

PROJEKTLEITER
Jörg Schulte-Pelkum


BETEILIGTE
Bernhard E. Riecke
Betty Mohler
EINRICHTUNGEN
MotionLab