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Multisensorische Integration
Traditionell wurde Wahrnehmungsforschung nach einzelnen Sinneseindrücken (z.B. visuell, auditorisch, haptisch, propriozeptiv, vestibulär…) in isolierte Forschungsgebiete unterteilt. Dieser modulare Ansatz behandelte einzelne sensorische und motorische Prozesse als überwiegend unabhängige Systeme. Seit Kurzem ist jedoch bekannt, wie wichtig das Verstehen um die Verknüpfung verschiedener Sinneswahrnehmungen ist, und welchen Einfluss diese multi-sensorische Interaktion auf  die Wahrnehmung  und das Verhalten hat. Die meisten bisherigen Studien im Bereich der multi-sensorischen Forschung untersuchten Aufgaben, die auf Präsentation isolierter Stimuli in Körpernähe beruhen – dazu gehören z.B. Untersuchungen zur Integration von visuell-auditorischer, visuell-propriozeptiver oder visuell-haptischer Information. Zur Erforschung generellen menschlichen Verhaltens ist es allerdings auch wichtig, multisensorische Integration in einem grösseren räumlichen Rahmen anhand der eigenen Bewegung im  Handlungsraum zu untersuchen. Anders als bei der traditionellen Erforschung multi-sensorischer Integration, die zwei bestimmte Sinnneseindrücke zu einem bestimmten Zeitpunkt untersucht, benötigt man z.B. bei der Navigation durch seine Umwelt die dynamische Verrechnung vieler verschiedener Eindrücken über Raum und Zeit hinweg (z. B. Wahrnehmung visueller Bewegung, biomechanische Information der Beine, sowie Gleichgewichtsinformation). Es ist sehr wichtig die Prinzipien zu verstehen, die der Integration der verschiendenen Sinneseindrücke in diesem Kontext unterliegen, da dies Einsichten liefert in einen zentralen Bereich des multi-sensorischen Verarbeitens.

Multisensorische Integration bei der Schätzung von zurückgelegter Distanz
Der Einfluss von Bewegungsinformationen auf die Wahrnehmung der Laufgeschwindigkeit
Wahrnehmung von visueller Geschwindigkeit während dem Gehen
Adaptive Ansteuerung eines Laufbandes

 


 

   

Wahrnehmung von visueller Geschwindigkeit während dem Gehen

Jedes Mal, wenn wir uns in unserer Umgebung bewegen, verschiebt unsere eigene Bewegung das Bild der Welt auf unserer Netzhaut (Retina). Zudem erzeugen sich bewegende Objekte auch eine retinale Bildbewegung (solange wir sie nicht mit unseren Augen verfolgen). Wie weiß unser Gehirn, ob das Bild auf unserer Netzhaut von unserer eigenen Bewegung erzeugt wurde oder von der Bewegung von Objekten aus unserer Umgebung? Ändert sich die wahrgenommene Geschwindigkeit von sich bewegenden Objekten, wenn wir gehen im Vergleich zum Stehen? Eine Antwort auf diese Frage geben neueste Studien (Durgin et al., 2005), die zeigen, dass sich die wahrgenommene Geschwindigkeit beim Gehen verlangsamt. Dies wurde als adaptive Anpassung der Geschwindigkeitskodierung erklärt, die von einer automatischen Subtraktion eines Teils der Laufgeschwindigkeit von der retinalen Bildgeschwindigkeit (Durgin & Gigone, in Druck) verursacht wird. Zurzeit untersuchen wir die Allgemeingültigkeit dieses Phänomens. Erste Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Reduktion der wahrgenommenen Geschwindigkeit während dem Gehen möglicherweise von der visuellen Geschwindigkeit abhängt: die Reduktion scheint bei langsamer visueller Geschwindigkeit stärker zu sein. Unser Ziel ist es, dieses Phänomen genauer zu erforschen und die Ergebnisse in einem quantitativen Modell zu formulieren, das die verschiedenen sensorischen Signale (z.B., visuell, vestibulär, proprioceptiv) berücksichtigt.

 

REFERENZEN
Durgin, Frank H., K. Gigone, R. Scott (2005): Perception of visual speed while moving. Journal of Experimental Psychology: Human Perception and Performance, 31(2), 339-353.

Durgin, Frank H., K. Gigone (In press): Enhanced optic flow discrimination while walking: contextual tuning of visual coding. Perception

GEFÖRDERT DURCH DAS EU PROJECT
Cyberwalk, Sixth Framework Program of the European Commision FP6-511092

 


Testperson läuft auf einem linearen
Laufband. Die visuelle Bewegung
wird durch ein Head-mounted
Display gesehen.


PROJEKTLEITER
Jan L. Souman
BETEILIGTE
Ilja Frissen
Marc O. Ernst
EINRICHTUNGEN
Linear Treadmill