Wahrnehmung von Eigenbewegung in Virtueller Realität

Die Wahrnehmung von Eigenbewegung ist normalerweise eine multimodale Erfahrung.  Sowohl visuelle wie auch nicht-visuelle Informationen liefern reichhaltige - und zum Teil redundante - Information über Eigenbewegung.  Dieses Forschungsprojekt untersucht, wie sensorische Information verschiedener Sinne bei der sogenannten Vektionsillusion kombiniert werden.  Vektion ist die Illusion von Eigenbewegung eines sich in Ruhe befindenden Beobachters. Sie kann durch visuelle oder andere sensorische Stimulation ausgelöst werden.  In diesem Projekt wird zudem untersucht, wie perzeptuelle und kognitive Faktoren die Vektionsillusion beeinflussen.
In einer Reihe von Experimenten mussten Testpersonen den Beginn und die Stärke der Vektion einschätzen. Dies geschah entweder unter rein visuellen, oder kombinierten visuell-auditorischen, visuell-vestibulären sowie visuell-somatosensorischen Bedingungen. Die multisensorischen Bedingungen lieferten konsistente multisensorische Stimulation, wie z. B. eine sich bewegende Geräuschquelle, die sich kohärent mit dem passenden visuellen Ziel bewegte.
Die Ergebnisse zeigten, dass Vektion bei konsistenter multisensorischer Stimulation anstieg, wobei sowohl der Beginn früher geschah als auch die wahrgenommene Stärke der Illusion anstieg. Der stärkste Effekt wurde für die Kombination aus visueller und vestibulärer Stimulation gefunden, wobei dabei nur minimale physikalische Bewegungsinformationen präsentiert wurde. Wir fanden zudem, dass kognitive Faktoren, wie z. B. Aufmerksamkeit und das Gefühl von Präsenz in der virtuellen Umgebung einen Einfluss auf die wahrgenommene Vektion hatten. Diese Ergebnisse haben Konsequenzen sowohl für unser theoretisches Verständnis von Eigenbewegungswahrnehmung wie auch für Anwendungen im Bereich von Bewegungssimulatoren.
Last updated: Dienstag, 07.05.2013