Wahrnehmung von visueller Geschwindigkeit während dem Gehen

Jedes Mal, wenn wir uns in unserer Umgebung bewegen, verschiebt unsere eigene Bewegung das Bild der Welt auf unserer Netzhaut (Retina). Zudem erzeugen sich bewegende Objekte auch eine retinale Bildbewegung (solange wir sie nicht mit unseren Augen verfolgen). Wie weiß unser Gehirn, ob das Bild auf unserer Netzhaut von unserer eigenen Bewegung erzeugt wurde oder von der Bewegung von Objekten aus unserer Umgebung? Ändert sich die wahrgenommene Geschwindigkeit von sich bewegenden Objekten, wenn wir gehen im Vergleich zum Stehen? Eine Antwort auf diese Frage geben neueste Studien (Durgin et al., 2005), die zeigen, dass sich die wahrgenommene Geschwindigkeit beim Gehen verlangsamt. Dies wurde als adaptive Anpassung der Geschwindigkeitskodierung erklärt, die von einer automatischen Subtraktion eines Teils der Laufgeschwindigkeit von der retinalen Bildgeschwindigkeit (Durgin & Gigone, in Druck) verursacht wird. Zurzeit untersuchen wir die Allgemeingültigkeit dieses Phänomens. Erste Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Reduktion der wahrgenommenen Geschwindigkeit während dem Gehen möglicherweise von der visuellen Geschwindigkeit abhängt: die Reduktion scheint bei langsamer visueller Geschwindigkeit stärker zu sein. Unser Ziel ist es, dieses Phänomen genauer zu erforschen und die Ergebnisse in einem quantitativen Modell zu formulieren, das die verschiedenen sensorischen Signale (z.B., visuell, vestibulär, proprioceptiv) berücksichtigt.
Last updated: Dienstag, 07.05.2013