Brain-Games ergründen psychische Gesundheit von Jugendlichen 

Auf dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft können Teenager ab dem 7. Mai die neurobiologische Grundlagenforschung unterstützen 
 

6. Mai 2026

Psychische Erkrankungen treten meist im Jugendalter auf. Einem im November 2025 veröffentlichten Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge sind in der Europäischen Union mehr als 14 Prozent von ihnen von einer psychischen Störung betroffen. Die Tendenz: steigend. Laut statistischem Bundesamt haben in Deutschland Behandlungen psychischer Erkrankungen am stärksten bei den 10- bis 19-Jährigen zugenommen: Rund ein Drittel mehr waren es im Jahr 2024 im Vergleich zu 2004, die in stationäre Behandlung aufgenommen wurden. 
 

„Die Früherkennung und rechtzeitige Behandlung psychiatrischer Erkrankungen im Jugendalter ist essentiell. Werden solche Probleme in diesem Alter nicht oder nur unzureichend erkannt, können sie bis in das Erwachsenenalter bestehen bleiben“, erklärt Neurowissenschaftler Prof. Dr. Tobias Hauser, Professor für Computational Psychiatry an der Universität Tübingen und Forscher am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik, der eine interaktive Smartphone-App zur Ermittlung von psychischen Störungen von Jugendlichen entwickelt hat. 

Eine App untersucht, wie sich das Gehirn entwickelt

Die App namens „Brain Explorer“ ist heute ein Baustein und wichtiges Hilfsmittel seiner Grundlagenforschung in Tübingen. Hierbei handelt es sich um ein Citizen-Science-Projekt, bei dem Personen aus der Bevölkerung Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Hausers Team helfen können, den Zusammenhang zwischen Gehirn und psychischer Gesundheit besser zu verstehen. 
Für unterschiedliche Altersklassen hält die App deshalb Spiele bereit, bei denen die Gehirnfunktionen der Teilnehmenden getestet werden können. Für die Grundlagenforschung ist es besonders hilfreich, dass mit dieser Methode sehr viele anonymisierte Daten von Menschen auf der ganzen Welt ermittelt werden können. „Mittlerweile sind es mehr als 15.000 Personen, die mitgemacht haben“, kommentiert Tobias Hauser. 

Teil der Ausstellung auf der MS Wissenschaft von Mai bis September 

Unter dem Motto des Wissenschaftsjahres 2026, Medizin der Zukunft, wird „Brain Explorer“ auf der MS Wissenschaft vorgestellt. Wenn es ab dem 7. Mai wieder „Leinen los!“ heißt, wird das Ausstellungschiff an zahlreichen Orten in Deutschland und Österreich Halt machen. Besucherinnen und Besucher können das Exponat dort interaktiv ausprobieren und so hautnah erleben, wie Grundlagenforschung zur psychischen Gesundheit funktioniert. Users können außerdem freiwillig Fragebögen zu ihrem psychischen Wohlbefinden ausfüllen. Alle Daten werden anonymisiert erfasst und nur für wissenschaftliche Zwecke genutzt.

Auf der MS Wissenschaft können insgesamt an rund 30 Exponaten Besuchende in der Ausstellung selbst aktiv werden. Sie wird ab zwölf Jahren empfohlen. Ergänzend gibt es ein vielseitiges Veranstaltungsprogramm sowie zahlreiche Workshops für Schulklassen. Der Eintritt ist frei.
 

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